von João Cabral de Melo Neto.

Severino lebt und arbeitet in Sertão. Er kann sich und seine Familie durch seiner Hände Arbeit kaum ernähren. Die Lebensbedingungen zehren an den Menschen, so dass diese kaum dreißig Jahre alt werden und frühzeitig an den Härten des Alltags zugrunde gehen. Gründe genug, um das Land und die Heimat zu verlassen und in die am Meer gelegene Stadt Recife zu fliehen. Severino weiß nicht genau, was er sucht, aber er steckt voller unbestimmter Hoffnungen. In seinen Vorstellungen träumt er, dass in der Stadt alles besser sein wird als in seinem alten Leben. Sein Weg führt ihn entlang des Flusses Capibaribe von Ort zu Ort. Auf seiner Wanderung wird er mit dem Schicksal zahlreicher Menschen konfrontiert, und er erlebt die Schattenseiten des Lebens dieser Menschen: Landvertreibung der Bauern, Überfälle und Überlebenskampf. Der Tod ist auf seiner Lebensreise sein ständiger Begleiter.

7.Szene: Straßensperre

„Seitdem ich auf der Landflucht bin,
sehe ich nur den Tod am Werk.
Nur den Tod hab’ ich gesehen,
sah ihn viele Feste begehen.“

Das ändert sich in Recife, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco, nicht. Severino erlebt dort Stadtmenschen, die im Elend leben und sich in den Abfällen der Gesellschaft durchschlagen müssen. Das, was Severino zu finden hoffte, existiert nicht für ihn. Seine anfänglich so große Hoffnung wird bitterlich enttäuscht und treibt ihn in Selbstmordgedanken. In seiner Verzweiflung trifft er auf Senhor José Zimmermann, dem es gelingt, in Severino den Glauben an die Menschheit neu zu entfachen, indem er ihn zu den Wurzeln der Menschlichkeit zurückführt. Es wurde ein Kind geboren. Das Kind reich beschenkt von den besitzlosen Severinos, entfacht neuen Lebensmut, der sich in einem ekstatischen Tanz ausdrückt. Das Publikum ist während der Aufführung alles andere als passiv. Es wird in die Handlung insofern mit einbezogen, als es ständig den Severinos af der Bühne folgt und mit diesen den vom Tod gezeichneten Weg geht. Auf der letzten Wegstrecke darf das Publikum am Ziel der Reise teilhaben: an der Freude über die Hoffnung durch neues Leben.

“Wir sind viele Severinos” - es sind millionen von Severinos unterwegs auf der Welt, getrieben von der Sehnsucht nach einem besseren Leben. In der Figur des Severino findet sich die Globalisierung, die Klimakatastrophe in einer Geschichte verschmolzen. Entstanden 1954-1956 wurde das Stück “Morte e Vida Severina” in Brasilien unzählige Male aufgeführt und auch zweimal verfilmt. Inzwischen ist der Text fast zu einem Nationalepos der Landlosenbewegung geworden. João Cabral de Melo Neto gilt als einer der Erneuerer der brasilianischen Dichtung.

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Wikipedia: Sertão bezeichnet die halbwüstenartigen Landschaften im Binnenland Brasiliens. Im Zentrum und im Süden ist sie mit Baumsavanne bewachsen, der Nordosten ist mit Laubbäumen durchsetzte Strauchsavanne…